Hier möchte ich mich und meine Behinderung kurz vorstellen:

 

Ich wurde im April 1969 in München geboren. Dort hatte ich 1978, also mit 9 Jahren, einen schweren Verkehrsunfall. Ich überquerte eine Strasse, passte anscheinend nicht auf und wurde von einer Strassenbahn angefahren. D.h. ich prallte mit dem Kopf auf. Dadurch erlitt ich schwerste Schädelhirnverletzungen. Ab da war ich schwersbehindert.

Durch diesen Unfall veränderte sich mein Leben natürlich komplett. Ich war plötzlich behindert!!! Jeder, der durch einen Unfall schwerbehindert ist, weiß, was in mir vorging. Ich kapselte mich natürlich komplett von den anderen Mitschülern ab und forderte immer um Nachsicht und Mitleid. Rehabilitationen und psychologische Begleitungen gab es damals nicht. Man war auf sich komplett alleine gestellt. Dass ich dadurch der ungeliebte Aussenseiter wurde, kann sich jeder vorstellen. Ich wurde nur noch verspottet und gehänselt. Dazu kam noch, dass sich, kurz nachdem ich aus dem Krankenhaus wieder zu Hause war,  meine Eltern trennten. Die Ehe meiner Eltern war natürlich schon vor dem Unfall zerstört, aber trotzdem nagt es noch an mir. Mein Vater unterstützte meine Mutter in ihrer Sorge über mich überhaupt nicht und redete sich mit seiner Arbeit raus. Angeblich konnte er auch nicht mit einer behinderten Tochter zusammenleben. Ob das stimmt, weiß ich nicht. Ich weiß nur heute, dass mein Vater keine Probleme von anderen haben kann und sich dann zurückzieht. Ich habe bis heute keinen Kontakt zu meinem Vater. 

1980 zogen meine Mutter, meine 3 Jahre ältere Schwester und ich dann nach Braunschweig. Meine Mutter ist hier geboren und ihre Mutter (meine Omi) lebte hier in einem Haus. Da dort die Mieter ausgezogen waren, zogen wir dorthin. Für mich war es eine neue Chance, neue Kinder kennenlernen. Mich kannte ja hier keiner. Doch durch meine Haltung (Mitleid und Rücksicht) wurde ich auch hier sehr schnell der Aussenseiter und wurde nur noch gehänselt und verspottet. Die Schulzeit war die Hölle für mich. Ich weine der Zeit keine Träne nach.  

1987 hielt ich es nicht mehr aus und beging meinen ersten Selbstmordversuch. Heute bin ich dem dankbar, denn dort kam ich zu einem Psychologen, der mich wieder zu dem machte, was ich vor dem Unfall war. Ein fröhliches junges Mädchen (okay Frau. War ja schon 18). Auslöser war allerdings mein schlechtes Schulzeugnis, was ich hatte, trotz Wiederholung der 10. Klasse. Da ich auch in dieser Klasse große Schwierigkeiten mit den Mitschülern hatte, behielten mich die Ärzte lange in der Psychatrie und schrieben mich für den Rest des Schuljahres krank. So mußte ich in diese Klasse nicht zurück, hatte allerdings auch nur einen Hauptschulabschluß, mit nicht gerade guten Noten. So besuchte ich im neuen Schuljahr die zweijährige Berufsfachschule. Denn für mich gab es nichts anderes, als im Büro zu arbeiten.  

Durch die Behandlung in der Psychatrie hatte ich mich nun so gut verändert, dass ich Freunde fand und die Schule mit Erfolg abschloß und eine Ausbildungsstelle als Bürokauffrau fand. Allerdings weiß ich heute, dass Bürokauffrau nicht mein Beruf ist. Mein größtes Hobby sind meine Tiere (Hund und Katze), mein Computer und natürlich mein Mann. Ich bin jetzt EU-Rentnerin und lebe nach einigen Turbulenzen in meinem Leben mit meinem Mann, dem Hund und der Katze zusammen. Ich habe Freunde, zwar sehr wenige, aber dafür sehr gute. Ich fühle mich sehr wohl.

1995 machte ich meinen Führerschein. Hier in Braunschweig gibt es spezielle Fahrschulen, die schwerbehinderte Fahrschüler ausbilden. Ich bestand auf Anhieb meinen Führerschein, jedoch mit Auflagen, die ich aufgrund meiner Behinderung brauche. Spezielle Umbauten benötige ich nicht. Lediglich ein Auto mit Automatik-Getriebe und einen Multifunktionsdrehknauf mit Commander. Mit dem Commander steuere ich u.a. Licht (Ablend- und Fernlicht), Blinker, Scheibenwischer, Scheibenwaschanlage, Warnblinklicht und den Tempomaten mit der rechten Hand ohne Loslassen des Lenkrades. Bilder dazu sind unter "Mein Auto" zu finden.

 

Kurzum: Ausser der Geburt, die normal verlief, war mein Leben ein totales Chaos..